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EU-Projekt Planning urban Security PluS

Die Architektur von Wohnraum und die Raumplanung können nicht nur positiv das Sicherheitsempfinden beeinflussen, sondern auch dazu beitragen, Tatgelegenheiten zu reduzieren.

Eine Vielzahl verschiedener Faktoren und deren Wechselwirkung sind die Ursachen für die Entstehung von Kriminalität. Schwerpunkte liegen dabei überwiegend im sozialen Bereich. Darüber hinaus ist unbestritten, dass zwischen dem räumlichen Umfeld, der Sozialstruktur und dem individuellen Verhalten von Menschen, also auch dem abweichenden Verhalten, ein Zusammenhang besteht. Bestimmte Bau- und Nutzungsstrukturen können die Begehung von Delikten begünstigen oder hemmen und wirken sich darüber hinaus negativ oder positiv auf das Sicherheitsgefühl der Menschen aus.

Die Kriminalitätsängste stehen dabei nicht immer in direktem Zusammenhang mit der registrierten Kriminalität und dem Grad der individuellen potentiellen Gefährdung. Erkenntnisse über die Entstehung von Kriminalität und das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger liegen bei der Polizei zeitnah vor. Eine sinnvolle Umsetzung städtebaulicher Präventionskonzepte erfordert die Kooperation aller auf dem Sektor tätigen Behörden, Institutionen, Vereine und privater Träger. Verschiedene Untersuchungen und Studien zeigen den Nutzen auf, der sich für das Sicherheitsempfinden der Menschen und die objektive Sicherheitslage durch die Realisierung entsprechender Präventionsmaßnahmen erzielen lässt. Es besteht jedoch nur für die Polizei eine Verpflichtung, in diesem Präventionsfeld tätig zu werden.

In den folgenden Veröffentlichungen erhalten Sie Informationen über die Ursachen von Kriminalität im Zusammenhang mit städtebaulichen Gegebenheiten, Informationen über den Bauprozess von der Planung bis zur Fertigstellung sowie allgemeine und konkrete Präventionsempfehlungen.

EU-Projekt Planning urban Security PluS


Planning urban Security
Kriminalprävention und Städtebau:
Ein komplexes Konzept der Wechselbeziehungen

In vielen Regionen Europas gibt es Städte, in denen „soziale Brennpunkte" identifiziert werden, in welchen sich Armut und Arbeitslosigkeit, Desintegration und Delinquenz ballen und zu einem Problem weit über die räumlichen Grenzen dieser Orte werden. Betrachtet man diese Brennpunkte, so ist festzustellen, dass es sich immer häufiger um Quartiere und Stadtteile handelt, die zu Fluchtpunkten für soziale Randgruppen geworden sind, aus denen bereits sozial und ökonomisch stabile BewohnerInnengruppen abgewandert sind. Dieses Phänomen hat auch den Fokus der Kriminalprävention auf die Zusammenhänge zwischen Bebauung, Architektur, Wohnungsbelegung, Infrastruktur und den Erscheinungen von sozialer Unordnung und Kriminalität gelenkt. Es ist offenkundig geworden, dass die Art und Weise der Raumnutzung und -gestaltung diese Erscheinungen in vielfältiger Weise determiniert. Daher ist anzunehmen, dass eine Beeinflussung der gebauten Umwelt und des Wohnumfeldes im Hinblick sowohl auf die Tatgelegenheitsstruktur als auch auf die vermittelte Lebensqualität erhebliche kriminalpräventive Wirkungen haben kann.

Theorie und Praxis

Die Suche nach kriminalpräventiv wirksamen Möglichkeiten des Städtebaus einerseits und der Gestaltung des öffentlichen Raums andererseits spielt dabei eine entscheidende Rolle, um verallgemeinerungsfähige Aussagen treffen zu können. Hierbei sind zwei grundlegende Ansätze zu identifizieren, die beide eine große Relevanz für die Sicherheit, insbesondere in Wohngebieten aufweisen:

  • Die städtebauliche Struktur einschließlich der Gestaltung der Gebäude und
  • Die Gliederung des öffentlichen Raums sowie die Struktur der BewohnerInnenschaft als auch des Sozialraummanagements.

Praktische Erfahrungen mit der Einbringung kriminalpräventiver Aspekte in Maßnahmen des Städtebaus gibt es in mehreren Ländern der europäischen Union, jedoch mit unterschiedlichen Ansätzen, da die Wohn- und Lebensbedingungen in ihren sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Ausprägungen unterschiedlich sind, z.B. über die Ansätze des individuellen Verhaltens in Zusammenhang mit baulich-räumlichen Betrachtungen.


Infomaterial zum download:

Städtebau und Kriminalprävention
Die Handreichung soll Kommunalverantwortliche, die Wohnungswirtschaft sowie Stadtplaner, Bauträger und Architekten für Sicherheitsbelange im Städtebau sensibilisieren und die konkreten Möglichkeiten der praktischen Umsetzung aufzeigen. Nach einer allgemeinen Einführung in das Thema, bei der auch die kriminologische Bedeutung städtebaulicher bzw. sozialräumlicher Gestaltung dargestellt ist, schließen sich zahlreiche Vorschläge für positive Gestaltungsmöglichkeiten von Wohnquartieren, Wohnumfeld und wohnbegleitender Infrastruktur an. Im Einzelnen finden sich kriminalpräventiv bedeutsame Gestaltungsvorschläge zu Freiräumen und Grünflächen, Pkw-Stellflächen, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, Fuß- und Radwege, Tiefgaragen und Parkhäuser, Bahnhöfe und Haltestellen sowie Unterführungen und Tunnel. Ein weiteres Kapitel widmet sich der Gebäudeausstattung von Mehrfamilienhäusern. Neben einem Appell an Bauverwaltungen, die Kooperation mit der Polizei zu suchen, wird abschließend das Auditverfahren als Mittel der praktischen Planung vorgestellt.

Die sichere Stadt als interdisziplinäre Aufgabe
Das Thema „öffentliche Sicherheit" trägt entscheidend zur „Zukunftsfähigkeit" von Städten bei. Denn Kriminalitätsfurcht kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, wenn sie zu einem allmählichen Rückzug aus dem öffentlichen Leben führt und damit die Entfaltungs- und ebensgestaltungsmöglichkeiten einschränkt. Zentrale Fragen sind: wie müssen Wohngebiete und Gewerbegebiete gestaltet sein, damit sich Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer und Ältere sowie Migranten zu jeder Tageszeit dort sicher fühlen? Auf welche Qualitäten kommt es bei der Planung und Gestaltung an, damit Angsträume und Gelegenheiten für unerwünschtes Verhalten gar nicht entstehen können? Was kann dazu beitragen, die Zufriedenheit und die Identifizierung der evölkerung mit ihrer Lebensumwelt zu steigern?

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Berichte / Reporte des Projekts PluS

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